Neumond im Juni 2015 – Medea

Leider werde ich neuerdings auch von rechtslastigen und rassistischen Blogs verbreitet. Wer meine Artikel regelmäßig liest, weiß, dass ich da in keiner Weise hinterstehe, im Gegenteil. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich! Das werde ich in Zukunft auch jedem Artikel als Anmerkung anfügen.

Neumond findet am 16. Juni um 16 Uhr 05 MEZ auf 25°07 in den Zwillingen statt. Dies ist ein sehr zwiespältiger Neumond, treffen hier doch die hochenergetisierten männlichen Energien auf geballte urweibliche Kraft.

nm0615xDer Neumond selbst steht in Konjunktion zu Mars im Brennpunkt eines Talentdreiecks von Jupiter und Uranus. Er steht aber auch im Brennpunkt eines spannungsgeladenen T-Quadrats mit Lilith und Chiron. Saturn kehrt nur einen Tag vor Neumond in das Zeichen Skorpion zurück. Und Merkur, der gerade wieder direktläufig wurde steht noch immer im Quadrat zu Neptun.

Das Talentdreieck allein könnte soviel voranbringen, wäre da nicht Lilith. Und Neptun. Und würde nicht Saturn zurück in den Skorpion laufen, wo er offensichtlich noch eine Rechnung offen hat. Ich wittere Verrat! Und zwar Verrat am weiblichen Prinzip!

Da fällt mir doch prompt Medea ein.

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Medea in Mosaic von Lana Rogers

Medea, der Sage nach, war die Tochter des Königs Aietes von Kolchis in Asien. Ihr Großvater war der Sonnengott Helios. Sie war eine Priesterin der Mondgöttin Hekate, von der sie auch ihr Zauberwissen hatte. Hera hat über Eros dafür gesorgt, dass sich Medea in Jason verliebt, der mit den Argonauten aus dem griechischen Iolkos kommend, das goldene Vlies erobern wollte. Fortan tut Medea alles für ihn, opfert sogar ihren Bruder, damit Jason all seine Abenteuer besteht, die nur zum Ziel haben, den König Pelias in Jasons Heimat vom Thron zu stürzen. Der hatte den Thron in den Augen Heras fälschlicherweise inne, denn Pelias war nur der Stiefsohn des vorigen Königs. Der echte Sohn, und daher der rechtmäßige Thronfolger , war Jasons Vater. Medea wird von Jason, nachdem er seine Ziele erreicht und sie vier Söhne und eine Tochter miteinander gezeugt hatten, verstoßen, denn er will noch höher hinaus und die Prinzessin Glauke von Korinth heiraten. Daraufhin rächt sich Medea fürchterlich, tötet Glauke und deren Vater, und noch dazu ihre eigenen Söhne, die sie mit Jason hat. Ihr Großvater Helios verhilft ihr zur Flucht. Später heiratet sie den König Aegeus in Athen, der aber einen Sohn aus erster Ehe hat, gegen dessen Thronfolge sich Medea mit ihrem Sohn nicht durchsetzen kann. Daraufhin geht sie zurück nach Kolchis, wo sie ihren Onkel ermordet, der ihren Vater in der Zwischenzeit vom Thron gestoßen hatte.

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Medea, Theaterplakat von Alfons Mucha, 1898

Hier kommen Sonne und Mond wie beim Neumond zusammen: Medea ist Enkelin des Sonnengottes Helios und Priesterin der Mondgöttin Hekate. In Medeas Heimat Kolchis existieren die beiden Prinzipien eigentlich gleichberechtigt.

Und noch andere Horoskopfaktoren des Neumonds weisen in Medeas Richtung: der nach Medea benannte Planetoid steht bei Uranus, will also eigentlich helfen. Planetoiden Jason und Glauke stehen bei Neptun im Quadrat zu Merkur, begehen also eindeutig Verrat. Planetoid Hekate im Wassermann im Sextil zu Medea gibt ihr uranische Zauberkräfte. Hera (römisch Juno) und Eros, die dafür gesorgt haben, dass die Liaison zwischen Medea und Jason überhaupt zustande kam, stehen bei Jupiter und dem Neumond!

In der Sage geht es permanent um die Rechtmäßigkeit der Thronfolge. Medea hilft, die rechtmäßigen Thronfolger jeweils zu installieren, inklusive ihrem eigenen Vater, kann aber ihre eigenen Rechte nicht geltend machen: ihre Söhne werden entweder ermordet – wobei nicht geklärt ist, inwieweit Medea daran schuld hat, oder ob diese einfach Kollateralschäden ihrer berechtigten Wut waren – oder sie werden nicht anerkannt.

Im modernen Leben ist dies ein bekanntes Phänomen: starke Frauen erliegen gern dem Helfersyndrom und helfen dem Prinz auf’s Pferd. Der Dank bleibt leider in den meisten Fällen aus: der Prinz reitet – stolz wie Oskar, dass er endlich auf einem Pferd sitzen kann! – zur nächstbesten Prinzessin, die ihn dafür anhimmelt. Man beachte: Jason wurde in der Geschichte nie König, und seine „Neue“ war auch „nur“ Prinzessin. Die starke (zauberkundige!) Frau bleibt gekränkt zurück.

51s2Im31cwLPasolini inszeniert Medea 1969 mit Maria Callas in der Hauptrolle als „Clash der Kulturen“: In Kolchis, Medeas Heimat in Asien, huldigt man einer animistischen Religion (Hekate, weiblich), während Griechenlands Kultur, Jasons Heimat, aufgeklärt, rational (männlich) ist. Das war damals schon, 1969, als Kritik am Verhalten der westlichen Konsumgesellschaft gegenüber den „Drittwelt“ländern, die die Ressourcen hatten, gemeint, und ist heute aktueller denn je. Bildgewaltiges Epos.

Dies ist im Grunde die Geschichte, die die Lilith-Chiron-Opposition im Quadrat zur Neumond-Mars-Konjunktion erzählt: Lilith, definitiv auch eine starke Frau, bekommt hier ihre Rechte von der übermäßig männlich-rationalen Mars-Sonne-Liaison in den Zwillingen nicht. Auch Jupiter und Uranus sind männliche Energien, die durch das Talentdreieck den Mars-Neumond noch zusätzlich enorm aktivieren, zum Nachteil von Lilith.
Mars-Jupiter-Uranus, die den Zwillinge-Neumond beherrschen, sind geradezu testosterongeschwängert überaktiv, genau wie der Argonautenzug Jasons nach Kolchis, bei der die berühmtesten Helden Griechenlands teilnahmen, unter anderem Herakles, den wir ja schon kennengelernt haben…

Der Mond, dessen intuitive, instinktive Kräfte Medea nutzen kann, und mit dem auch Lilith, der „schwarze Mond“, verbunden ist, wird hier völlig unterdrückt, überstrahlt von Helios, der Sonne. Hier glaubt das männliche Prinzip seine Rechnung ohne den Wirt machen zu können. Man darf aber eins nicht vergessen: ohne Medeas Hilfe und Mondgöttin Hekates Zauberkraft hätten die Argonauten nichts zustande gebracht, gar nichts. Das goldene Vlies hätten sie komplett abschreiben können!

So haben wir hier durch die übersteigerte Fixierung auf männlich-rationale Kräfte (Löwe, Widder, Zwillinge, Mars, Jupiter, Uranus, Sonne) eine Pattsituation. Es geht nicht mehr weiter. Trotz Mobilisierung der allerletzten Kräfte. Trotz Aufgebot allen verfügbaren Propagandamaterials (Mars-Zwillinge!) für die angesteuerten Ziele.

g7 karrikaturIch bin sofort an den G7-Gipfel erinnert: ein ungeheuerliches finanzielles und öffentlichkeitswirksames Aufgebot um den Gipfel zu inszenieren, während Putin in Russland „Gipfel for One“ spielen muss. Außerdem ein nie gesehenes Polizeiaufgebot um die friedlichen Demonstranten draußen in Schach zu halten, die von der Presse deshalb auch noch als bißlose Sonntagsspaziergänger verlacht werden. Aus dem Tagungsort selbst hört man kaum anderes als Phrasen (stationär-rückläufiger Merkur in Zwillinge). Hier ist trotz Riesenaufgebot nicht viel mehr herausgekommen als heiße Luft (Mars/Sonne in Zwillinge), vor allem und nicht zuletzt, was Umweltfragen betrifft.

Es erinnert auch an den IS, der letztlich eine Folge der westlichen Interventionen gegen den angenommenen Terror in der Region ist. Die Geister, die ich rief. Wie Jürgen Todenhöfer es ausdrückt: Mit Bomben (männliches Prinzip) züchtet man nur noch mehr Terror (weibliches Prinzip, wenn es auf Rachefeldzug ist).

Aber bleiben wir im persönlichen Bereich: wo gab es in der letzten Zeit viel heiße Luft? Streit um nichts? Vor allem aber, wo haben wir den Bogen überzogen und sind über’s Ziel hinausgeschossen, unter Missachtung lebenswichtiger Funktionen und Ressourcen? Oder wo haben wir laut geklappert und können nun vielleicht nicht liefern? Zu weit aus dem Fenster gelehnt? Die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Dabei unsere Prinzipien und Werte verraten? Unsere Integrität verraten? Zuviel geopfert? Die Wahrheit geopfert? Verbittert einen Standpunkt verteidigt, der eigentlich nicht mehr zu halten ist?

Das weibliche Prinzip, wenn es unterdrückt wird, rächt sich fürchterlich, wie Medea. Oder entzieht sich einfach unter Absingen schmutziger Lieder, wie Lilith. Oder öffnet die Büchse: Pandora.

waterhouse_pandoraDer nach ihr benannte Planetoid steht nah beim Neumond und damit auch im Brennpunkt der Aspektfiguren. Pandora wird in den neueren Fassungen sehr negativ besetzt und als Strafe aufgefasst: Prometheus („der Vorausdenkende“) hatte den Göttern das Feuer gestohlen und den Menschen gebracht. Zeus ist darüber erbost und lässt Pandora von Hephaistos aus Lehm erschaffen. Sie wird Prometheus‘ Bruder Epimetheus („dem nachher Bedenkenden“) mitsamt der Büchse gebracht. Trotz Warnung seines vorausschauenden Bruders nimmt er an. Und prompt macht Pandora die Büchse auf, und das Übel entweicht in die Welt, nur die Hoffnung bleibt drin, weil sie die Büchse vor Schreck schnell wieder zumacht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Laut Nietzsche aber ist die Hoffnung das übelste aller Übel, weil „der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen“ und so letztlich die Qual verlängere…

Nach älteren Fassungen wird Pandora („das allumfassende Geschenk“) aber mit den Göttinnen der Erde und der Fruchtbarkeit, Gaia und Demeter verknüpft und ihre Büchse (eigentlich ein großes Vorratsgefäß, das man auch mit der Gebärmutter assoziieren könnte) enthält all die Gaben dieser Erde.

Die jüngere, „misogyne“ Fassung entspricht damit sehr der Neumondgeschichte. Denn wenn man die Gaben der urweiblichen inneren Kraft und Natur missachtet, unterdrückt, zurückweist, ignoriert, wandeln sie sich umgehend in die größten Plagen und wenden sich hinterrücks gegen uns, so dass das männliche Prinzip alle Hände voll zu tun hat um auf dem Thron bleiben zu können. Es ist dieselbe Masche, die auch schon mit Eva im Paradies abgezogen wurde: man macht SIE und ihre Neugier für das Üble dieser Welt verantwortlich, dabei ist es ER, der durch seine Ignoranz aus dem ursprünglich Guten das Böse hervorruft. Man kennt das auch, wenn man sich als Geschädigter beim Täter beschwert: dann wird man ruckzuck zum Agressor erklärt! Diese Krise kann sich ins unendliche aufschaukeln, wenn man die Ursache nicht erkennt.

plant-731459_1920Das sabische Symbol des Neumonds ist: „frostbedeckte Bäume, wie Spitzen, vor Winterhimmeln“. Dies ist eine Situation, wo sich die Natur in sich zurückzieht. Winterschlaf hält. Die Lebensenergien zurückfährt. Gaia, die Natur, Mutter Erde, die Basis für das irdische Leben , schläft. Oder wird unterdrückt. Schockgefroren. Die Intuition (Hekates Zauberkraft) ist verstummt. Die Verbindung zum Sinn des Lebens muss erst wieder gefunden werden. Dazu ist Innehalten und Rückzug nötig. Das sieht nach außen wie Untätigkeit aus, ist aber überlebensnotwendig und in diesem Sinne hochproduktiv.

Dem Neumond gegenüber, im Schützen, hat sich übrigens der Asteroid Quaoar vor das galaktische Zentrum geschoben. Sie haben beide eine ähnliche Botschaft: das, woraus alles entstanden ist, das Universum, die Erde, das Leben, die Götter und einfach alles, und das, wohin am Ende alles wieder zurückkehrt (das galaktische Zentrum ist ein schwarzes Loch aus Antimaterie). Das, wo alles Eins ist. Auch Männliches und Weibliches. Der wahre Kern der Sache. Dahin gilt es zurückzukehren. In uns. Damit wir nicht gänzlich abheben und durch die Decke gehen in unserem Machbarkeitswahn…

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Die Tageskarten des Neumonds sind die Welt (das galaktische Zentrum und Quaoar!), die Kaiserin (die geballte weibliche Kraft von Hekate, Lilith, Medea, Pandora, Gaia, Demeter – die wir wieder in uns suchen sollen) und der Gehängte: die Pattsituation. Die Sackgasse, in der wir uns befinden. Die Festgefahrenheit unserer Vorhaben und Gedanken. Der beste Rat, der hilft, wenn der Gehängte im Tarot erscheint, ist, loszulassen. Innehalten. Wie die frostigen Baumspitzen. In sich gehen und in sich hineinhorchen. Verbindung aufnehmen zu unserer spirituellen Seite. In diesem Fall vor allem aber zu unserer unterdrückten weiblichen, intuitiven, mitfühlenden Seite.

Das Mitgefühl kann sich auf andere, muß sich aber vor allem auch auf uns selbst beziehen, damit man sich nicht selbst ausbeutet. Weder sollen die starken Frauen in uns zu vielen Prinzen auf Pferde helfen, noch sollen die Prinzen in uns in blindem Galopp und wildem Aktionismus den Bogen überspannen.

Natürlich ist dies auch ein guter Moment über unseren Umgang mit Gaia, Mutter Erde, der Natur nachzudenken. Und zwar ohne G7-Phrasendrescherei, sondern wirklich pragmatisch. Vollwertkost, Bio, Fairtrade, regional und saisonal in Hofläden Einkaufen kann man mal wieder in den Fokus rücken (Lilith in der Jungfrau). Fahrrad statt Auto. Endlich aufraffen und den Strom bei Greenpeace Energy beziehen. Oder gleich Photovoltaik auf dem Balkon montieren. Na euch fällt schon was ein, Medea steht nicht ohne Grund bei Uranus, dem Planet der Geistesblitze!

Vielleicht ist es das, was Saturn im Skorpion vergessen hatte? Weshalb er jetzt noch einmal für fast drei Monate dorthin zurückkehrt? Es ist zumindest ein guter Hinweis, worauf man in der nächsten Zeit achten kann! Und noch einmal den Artikel zur Saturnrückkehr in den Skorpion lesen…


 

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Perfekt zum Thema passende Gedanken von Bilbo Calvez:

Und hier der „Simon“ für den Balkon, genial:

 

 

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