Steinbock-Vollmond im Juli 2016 – Das innere Kind

Steinbock-Vollmond am 20. Juli 2016 um  0:56 Uhr MEZ.

astro_2at_72_vm0716.44928.19260Mars/Sonne/Chiron bilden ein großes Wassertrigon, das der Mond zum Vollmond zu einem Drachen vervollständigt.

Eine Drachenfigur ist zielstrebig. Alle beteiligten Planeten harmonieren miteinander, ziehen am selben Strang. Die im Drachen verborgene Opposition von Sonne und Mond wird dadurch gemildert. Oder verdrängt. Der eigentliche Antrieb ist vielleicht nicht mehr so bewusst.

Oft kommt unser Antrieb ja von einer inneren Verletzung, einem Trauma, einem in den Schatten gefallenen Persönlichkeitsanteil, der aus dem Bewusstsein verdrängt wird, aber trotzdem unser Handeln, Denken und Fühlen bestimmt. Ist man in einer solchen Verfassung, ist es schwer, den einmal eingeschlagenen Weg loszulassen.  Für Argumente ist man dann wenig zugänglich, weil man ja gar nicht um seine tatsächlichen Beweggründe weiß.

lonely-428380_1920Die Achse Krebs-Steinbock, auf der sich Sonne und Mond gegenüberstehen, hat immer auch etwas mit Kindheit und Elternschaft zu tun. Wie schon bei dem vorangegangenen Krebs-Neumond hat man die Chance, seinem inneren Kind zu begegnen. Das innere Kind ist bei fast allen von uns hinter der angepassten, erwachsenen Fassade verborgen. Es darf sich nicht ausleben, sondern muss sich zusammenreißen (Mond im Steinbock!). Es darf die Abläufe des Erwachsenenlebens nicht stören.

boy-1209964_1920Als Kind hat man diese Haltung vielleicht übernommen, weil die Eltern dies von einem erwartet haben. Solche Programme halten sich aber auch später, im Erwachsenenleben hartnäckig, sie werden verinnerlicht. Man glaubt, man selbst denke und fühle so, wie es von einem erwartet wird. Und falls nicht, dann ist man eben nicht „normal“ und muss behandelt werden. Viele Therapien haben zum Ziel, dass man wieder in die Spur kommt. Obwohl diese Spur vielleicht das Problem darstellt, nicht man selbst und seine Probleme damit.

child-1111818_1920Um diese Kind/Erwachsenenachse herum haben wir nun ein großes Wassertrigon mit Sonne, Mars und Chiron, das schon ein paar Wochen wirksam war. Man kann unter solchen Vorzeichen äußerst emotional und geradezu irrational reagieren. Ist dies der Fall, dann sollte man einmal nach dem inneren Kind forschen. In der Regel ist die Reaktion nämlich der aktuellen Situation nicht angemessen. Es ist sinnvoll und sehr hilfreich, sich in solchen Fällen zu fragen, woran einen die aktuelle Situation erinnert. Ganz oft sind es Situationen , die man als Kind erlebt hat, damals aber nicht zu lösen vermochte. Vermutlich gerade, WEIL man Kind war. Weil man abhängig war. Weil man handlungsunfähig war. Solche Situationen konnten damals geradezu lebensbedrohlich sein.

Schleicht sich dieses Gefühl heute wieder ein, sollte man versuchen, dieser Ursituation auf die Schliche zu kommen. Das erklärt schon einiges. Auch wenn man durch das reine Wissen den Komplex noch nicht sofort lösen kann. Man kann aber damit anfangen, Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Es ist völlig normal, wenn ein Kind sich in solch beängstigenden Situationen schlecht fühlt. Es ist sogar normal, wenn man sich heute in vergleichbaren Situationen schlecht fühlt, die an das alte Trauma erinnern. Schafft man das, kann man die anderen Menschen, die vielleicht die alte Angst oder Trauer wieder hervorrufen, entlasten und von den Gefühlen trennen, die sie in einem auslösen.

Solange man es nicht schafft, diese Verknüpfung mit alten Erlebnissen an das Tageslicht zu bringen, wird man in entsprechenden aktuellen Situationen auch keinem Argument zugänglich sein. Dann kann Panik aufkommen (Chiron in den Fischen) oder Rachegefühle (Mars im Skorpion). Sonne im Krebs hat vielleicht noch klammernde Tendenzen.

Uranus steht im Quadrat zur Sonne-Mond-Achse, so dass vielleicht wirklich an alten Kindheitserlebnissen gerüttelt wird. Das kann schon recht aufreibend sein.

Aber, wie immer, gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Dieser Vollmond mit seinen begleitenden Aspekten hat auch das Zeug dazu, solch alte Verletzungen zu heilen (Chiron), in dem man in die Tiefe geht und forscht (Mars im Skorpion). Uranus mag aufstörend wirken, aber er bringt dadurch auch die Dinge in Bewegung, die sonst gern unter Verschluss gehalten werden. Mond im Steinbock muss nicht nur ein unterdrücktes inneres Kind bedeuten, es kann auch bedeuten, dass man für seine Gefühle Verantwortung übernimmt, und nicht mehr seine Mitmenschen dafür verantwortlich macht. Das kann Beziehungen enorm entlasten. Vor allem nimmt es den Druck von seinen Lieben, so dass diese ganz aus freien Stücken wieder auf einen zukommen können, nachdem man sie mit seinem endlosen Forderungskatalog in die Flucht geschlagen hat….

Singer_Sargent,_John_-_Orestes_Pursued_by_the_Furies_-_1921Bei den Asteroiden fallen die drei Furien ( Erinnyen) auf: Megaira steht direkt beim Mond, Alekto im Quadrat dazu in der Waage, und Tisiphone im weiten Quadrat zu Mond/Megaira, am Anfang des Stiers. Die Furien sind Rachegöttinnen, die die Übertretung der Sitten und die Nicht-Ehrung der Eltern (!), vor allem die Missachtung des Mutterrechtes geahndet haben. Der Sonnengott Apollon dagegen unterstützt all diejenigen, denen durch die Mutter Unrecht widerfährt (z.B. Orestes, Ödipus). Der Asteroid Apollo steht auf 24° Zwillinge, also durchaus in das bisher beschriebene Aspektegeflecht integriert.

So manche Mutter unter euch mag sich vielleicht von diesem Vollmond auch angesprochen fühlen. Wenn das Kind leidenschaftlich zur Megäre wird, will es vermutlich nichts Böses, schon gar nicht euch das Leben schwer machen – es will sich selbst, sein Wesen, seine Persönlichkeit  schützen. Das ist sein Recht, qua Geburt!

Megären mischen sich vielleicht auch in so manchen Streit in Beziehungen. Auch da geht es um den Schutz des inneren Kerns. Man muss sich das bewusst machen. Dann ist die Megäre, die man an sich selbst vielleicht so gar nicht mag, doch eine hervorragende Freundin. Eine Indikatorin dafür, dass Linien überschritten wurden. Dass man Linien hat überschreiten lassen. Da gehören zwei dazu! Vielleicht aus Angst, verlassen zu werden oder nicht lieb gehabt zu werden. Identifiziert man sich zu sehr mit dem anderen, verlässt man sich selbst. Auch eine Form des Linienüberschreitens. Dafür darf man aber niemanden verantwortlich machen, außer sich selbst. Selbst zur Megäre zu werden ist nicht die Lösung. Aber aufzuhorchen, wenn sie anfängt im inneren zu toben, allemal! Es gibt einen Grund. Sie hat Recht. Nur die Lösung ist nicht ganz das, was man adhoc glauben möchte. Dazu befragt man am besten auch Apollon (im Inneren). Er steht für Eigenständigkeit, Selbstverantwortung, die Persönlichkeit, den eigenen Lebensweg, Souveränität – im Gegensatz zur kindlichen, emotionalen Abhängigkeit .

Daneben stehen die Erinnyen natürlich klassischerweise auch für Gewissensbisse. Schuldgefühle. Auch die gehen gern damit einher, dass man sich aus der Vorstellungswelt der Eltern lösen will, um einen eigenständigen Weg zu gehen. Wie man sich auch wendet, man bekommt es mit ihnen zu tun, solange man sich in einer Form der Abhängigkeit befindet, sei sie nun real oder nur über- und angenommen.

Das sabische Symbol des Vollmondes ist: eine große Voliere.

captivity-469746_960_720Interessant, eine Variation dieses Symbols ist ein Futterhaus, an dem sich Vögel tummeln. Das ist ja schon ein großer Gegensatz! In der Voliere, und sei sie noch so groß, sind die Vögel gefangen. Auf einen ihnen zudachten Lebensraum beschränkt. Zugedacht vom Besitzer. Das zeigt doch die Ambivalenz! Und die Rolle Uranus‘ in diesem Plot. Es geht schon um die den Gegensatz von Freiheit und Besitzergreifen. So manche Beziehung ähnelt einer solchen Voliere. Und wehe einer möchte daraus entkommen! Aber irgendwann ist sie zu klein. Immer. Garantiert. Das ist keine Frage der Größe, sondern des Konzepts. Wie schön wäre es, das Futter einfach nur anzubieten und sich daran freuen, wenn die Vögel freiwillig kommen! Nur das ist ein Beweis, dass es ihnen gefällt: wenn sie freiwillig kommen, und wenn sie freiwillig wiederkommen. Das gilt auch für Beziehungen. Und Kinder. Das Vertrauen muss man haben….

Die Sonne steht auf dem Symbol: eine moderne Pocahontas.

festival-1309988_1280(1)Mal abgesehen von Disney-Adaptionen, und der tatsächlichen Historie über die Indianerprinzessin Pocahontas gibt es eine Sozialwissenschaftliche These, die nach ihr benannt ist, den Pocahontas-Komplex. Danach gibt es in Legenden, Sagen und der Historie immer wieder Prinzessinnen, die, aus Liebe oder aus der Hoffnung, damit fremde Kulturen vereinigen zu können, einen der Feinde heiraten und damit ungewollt in der Konsequenz ihr Vaterland verraten. Medea oder Kleopatra wären weitere Beispiele. So gesehen macht eine „moderne Pocahontas“ in diesem Vollmondhoroskop Sinn: das Vaterland wäre in dem Fall nicht ein Land im wörtlichen Sinne, sondern die eigene Herkunft, das eigene Wesen, die Persönlichkeit. So gesehen gibt es jede Menge moderne Pocahontas, die glauben, wenn man nur genug liebt, wird man die Unvereinbarkeit schon überbrücken. Und sie verbiegen und verraten sich dadurch selbst. Das jedenfalls ist der Komplex. Im erlösten Zustand mag Liebe tatsächlich vieles überwinden können, aber nur, wenn sich keiner dabei selbst verrät.

Spannende Gedanken.

Die Tarotkarten für den Vollmond sind der Eremit und der Mond.

918Beide zusammen beschreiben eine Reise zu sich selbst, in das Innere. Auf der Mondkarte muss man durch ein teilweise beängstigendes, dunkles Labyrinth der Gefühle und Emotionen. Man muss seinen Mut zusammennehmen, durch dieses Tor zu gehen, und seine Gefühle zuzulassen. Akzeptieren und nicht dagegen ankämpfen ist immer eine gute Methode, diese zu überwinden. Besser als unterdrücken und ignorieren wollen. Dahinter wird man zu sich selbst finden. Genauso wie der Eremit, der mit einer Laterne in sein Inneres leuchtet. Es ist ein Weg, den man allein gehen muss. Selbst wenn man in einer Beziehung lebt. Manche Dinge im Leben gehen nur allein. Der andere mag das  eigene Gefühlschaos anstoßen, es bearbeiten und auflösen kann aber niemand, außer man selbst.

Mundanes

Mundan erleben wir gerade wieder Krisen und Katastrophen der altbekannten Art. Im Grunde auch hier Pattsituationen und Mehr-Desselben. Alte Abhängigkeiten und Strategien, früher einmal geschaffen, heute nicht mehr zielführend.

Der missglückte Putsch des türkischen Militärs, das (nach alter „Tradition“ kemalistisch) die Trennung von Staat und Religion wiederherstellen, also eine Übertretung der Ordnung korrigieren wollte, aber an der Übermacht Erdogans und seiner Befürworter und demokratischen Wähler gescheitert ist. Nach früheren Militärputschen in der Türkei wurde politisch gesäubert, inhaftiert und gefoltert. Nun aber nehmen die politischen Säuberungen Erdogans erst richtig Fahrt auf. Wie man sich auch wendet, man treibt nur den Teufel mit dem Beelzebub aus. Die Lynchszenen und Selbstjustiz, begangen anschließend an einem Teil der am Putsch beteiligten, wehrpflichtigen Soldaten (die zum Teil glaubten, sie nähmen an einer Übung teil) zeigen auch das Gesicht der Erinnyen, die das Übertreten der Ordnung rächen. Welche Ordnung ist die richtige? Uranus und Pluto in Verbindung mit dem Vollmond zerren an den Ketten….

13726661_1235257769826898_4757383387917384269_nDann noch die grausame Amokfahrt eines Wahnsinnigen in Nizza. Auch hier – wie immer nach solchen Anschlägen – schlagen die üblichen Verdächtigen Kapital daraus. Der IS reklamiert die Tat für sich und der gesamte Westen, einschließlich Clinton und Trump, bläst zum Halali, international zum Waffeneinsatz (und -verkauf) sowie intern zum Ausnahmezustand und Polizeistaat. Wir werden alle zusammen untergehen, wenn nicht einer die Gewaltspirale endlich durchbricht. Auch hier wollen beide Seiten ihre „alte Ordnung“ rächen.

Megären überall.

Mond entspricht in der Mundanastrologie dem Volk, Saturn/Steinbock dem Staat und Sonne dem Präsidenten. Wenn aber das Volk der Souverän ist, wie es in der Demokratie doch heißt, dann sollte es sich von kindlichen (Mond) Ideen, der Staat würde es schon alles richten, verabschieden, und seine Verantwortung übernehmen, anstatt diese an der Garderobe (der Wahlurne) abzugeben. Umfassende geschichtliche und Hintergrundinformation – und grundlegende makroökonomische Kenntnisse – würden wenigstens dafür sorgen, dass die Menschen nicht ständig gegen ihre eigenen Interessen ihr Kreuz machen.

Es wäre schön, wenn sich wieder jeder mehr den wirklichen Bedürfnissen (der Menschen) widmen würde, als sich ständig über seine Feindbilder zu definieren, sich daran abzuarbeiten und zu verschleißen.

Ich bin ja ein großer Fan der maorischen Hakas. Unglaublich starker Ausdruck des Inneren, bei weitem nicht nur ein Kriegstanz. Auch zu Hochzeiten und Beerdigungen gibt es Hakas. Mir rollen immer die Tränen, wenn ich das sehe. Die Energie der Erinnyen so umzusetzen, das würde gerade passen.

In diesem Sinne alles Gute für euch!

 

Bilder von pixabay, imgur und Wikipedia.

4 Gedanken zu “Steinbock-Vollmond im Juli 2016 – Das innere Kind

  1. Genau so wars im inneren Erleben –
    Fragen nach der Wut,
    unerwartete Kindheitserinnerungen,
    und die Chance auf Verständnis und Objektivierung,
    (auch der Geschehnisse des öffentlichen Lebens)
    ist mit diesem Artikel hervorragend gegeben –
    vielen Dank dafür

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