Waage-Vollmond im April 2019 – Die Kunst, vom hohen Ross zu fallen

Der Vollmond im April ist ein zweiter Waagevollmond, diesmal ganz am Ende des Zeichens Waage, während der vorige sich ganz am Anfang des Zeichens bildete. Themen, die dem Zeichen Waage zugeordnet werden, sind also noch immer aktuell: Ausgleich, Gerechtigkeit, Partnerschaft, Entscheidungen, Verträge, Rechtsprechung, aber auch zu große Kompromissbereitschaft und „people pleasen“, also zu sehr auf das Gegenüber eingehen, statt auf eigene Bedürfnisse, um einige zu nennen.

Im vorangegangenen Neumondhoroskop, der mitten im Widder stattfand, ging es darum, sich aus den Fesseln alter fixer Ideen, Traumata oder Manipulationen durch andere zu befreien und seinen eigenen Weg wiederzufinden. Pluto und der Asteroid Medusa standen genau am absteigenden Mondknoten. Jetzt haben wir eine etwas geänderte Konstellation: Die Widder-Sonne steht nur 2 Grad von Uranus entfernt, also in Konjunktion zu diesem, auch wenn der sich schon im nächsten Zeichen, dem Stier befindet. Der absteigende Mondknoten befindet sich nun genau zwischen Pluto und Saturn, die sich einander noch etwas angenähert haben. Alle zusammen stehen im lockeren, sich auflösenden Quadrat zu Mond und Sonne. Das Thema der fixen Ideen, der Manipulationen und der Machtspiele, das es zu überwinden gilt, ist also noch immer aktuell, wenn nicht sogar noch drängender geworden. Medusa hat sich zwar schon von Pluto entfernt, steht dafür jetzt aber in genauem Quadrat zu Mond und Sonne. Mit Uranus im Gespann, kann sich manches sehr plötzlich ergeben und zu umwälzenden Veränderungen, Stürzen vom Thron, oder Befreiungsschlägen kommen.

Stärkend kommt jetzt aber Jupiter ins Spiel, im Trigon zur Sonne und Sextil zum Mond. Er steht auch in genauem Trigon zu Vibilia, die während des Neumondes den rechten Weg wies, und obwohl die Sonne sie überholt hat, spielt sie über Jupiter nun doch noch eine wichtige Rolle. Jupiter gibt ihr großen Enthusiasmus und Optimismus, sich für den eigenen, den richtigen Weg einzusetzen.

Der Mond wird begleitet von dem Asteroid Hybris. Hybris ist eine Nymphe in der griechischen Mythologie und ihr Name bedeutet Anmaßung, Übermut. Hybris bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen. In Opposition zu Sonne und Vibilia kann man es also möglicherweise übertreiben mit dem eigenen Weg. Das würde dann (im Zeichen Waage) zu einer gewissen Selbstgerechtigkeit führen. Mit Uranus in der Opposition sogar mit revolutionären Tendenzen. Man könnte sich – aus verletzten Stolz vielleicht – aus alten Verpflichtungen oder Verflechtungen losreißen (wollen), oder andere zu ihrem Glück zwingen (wollen), und sich dabei (maßlos) selbst überschätzen.

Zwischen Pluto und Saturn steht der Asteroid Arawn, genau auf dem absteigenden Mondknoten. Arawn ist in der walisischen Mythologie ein Herrscher in der Anderswelt, auch ein Gott des Todes, des Terrors und der Rache. Bekannt ist die Geschichte, in der er und der weltliche Prinz Pwyll mit ihren Jagdhunden denselben Hirsch gejagt haben. Arawn hat den Hirsch erlegt, aber Pwyll schob Arawns Hunde beiseite, damit seine eigenen Hunde davon fressen sollten, und das, obwohl Arawns Tiere an ihren roten Ohren als Anderwelttiere erkennbar waren. Diese Anmaßung (Hybris!) konnte Arawn natürlich nicht stehenlassen.  Er verdonnerte Pwyll dazu, in der Anderwelt in Arawns Gestalt dessen ärgsten Feind zu besiegen, während Arawn Pwylls Reich immerhin zu Wohlstand und Reichtum verhalf. Das ganze dauerte etwa ein Jahr. Weil Pwyll Arawns Frau in dieser Zeit nicht angerührt hatte, obwohl er es in Arawns Gestalt gekonnt hätte, und weil Pwyll Arawns Feind besiegt hatte (da er von Arawn einen guten Tipp bekommen hatte, wo man diesen am besten treffen könne – mit einem gezielten Erstschlag) wurde Pwyll wieder in sein weltliches Reich eingesetzt und darüber hinaus zum Fürst von Annwn (Arawns spirituellem Reich) befördert. Arawn und Pwyll wurden gute Freunde.

Diese Geschichte passt hervorragend zu diesem plutonisch-uranischen Waagevollmond: hier wird Gerechtigkeit und Ausgleich geübt und doch, oder gerade deshalb entsteht eine fruchtbare Freundschaft zwischen Arawn und Pwyll. Die Anmaßung, die die beiden anfangs konfrontieren ließ, wurde zum Ausgangspunkt einer Krise und in Folge zu einer gewinnbringenden Kooperation.

So kommen wir denn auch zu einer positiven Auflösung des Problems, den eigenen Weg durchsetzen zu wollen: es ist nicht gefordert, diesen aufzugeben, im Gegenteil. Durch den eigenen festen Standpunkt und die offene Auseinandersetzung mit den Anliegen des Anderen werden beide Seiten befruchtet und bereichert. Man muss schon für sich einstehen, aber es kann nicht schaden, einmal in die Schuhe des anderen zu schlüpfen, die Welt auch aus seiner Perspektive zu betrachten, so wie Pwyll in Arawns Anderwelt. Im besten Fall kann man dann beide Probleme lösen und zu einem neuen Miteinander auf höherer Ebene finden, und aus dem ehemaligen Feind wird ein Freund.

Anders ausgedrückt: wenn man sich zu sehr anpasst, also eben nicht zu sich steht und seinen eigenen Weg nicht geht, wird man vermutlich grollen, oder sogar in Rückzugsgefechte verwickelt, die aber unfruchtbar sind und zu nichts führen. Dann kann man sich zwar insgeheim und spirituell oder moralisch überlegen fühlen (Hybris!), wird aber keinen Beitrag zu irgendeiner Verbesserung der Situation leisten.

Der Erstschlag ist übrigens auch interessant: so manches Mal möchte man ja gern zuschlagen, aus Angst, dass der andere sich trennen will. Um die eigene Ehre zu retten, will man dem anderen zuvorkommen. Das kann kontraproduktiv und voreilig sein. Allerdings dann, wenn es wirklich ernst ist, ist ein gezielter (Befreiungs-)Schlag – eine saubere Trennung –  besser als ein langer Kampf, bei dem keiner gewinnen wird, der nur alle Beteiligten terrorisiert. Die Kunst ist, zu wissen, wann der Moment gekommen ist. Und noch einmal anders: bevor man nicht selbst genau weiß, was man will, sollte man sich nicht auf Kämpfe einlassen, dann ist man gezwungen zu den Regeln des anderen, oder mit unlauteren Mitteln zu kämpfen, und das kann übel ausgehen und sich ewig hinziehen. Pwyll brauchte ein ganzes Jahr, um den richtigen Standpunkt und Moment zu finden. Und dann – als er wirklich wusste, was er wollte, bekam er sein Reich zurück, und das spirituelle Fürstentum noch dazu.

Übrigens gibt es keinen Asteroid namens Pwyll, aber ein großer, markanter Krater auf dem Jupitermond Europa heißt Pwyll. Europa steht nun wieder, natürlich zusammen mit Jupiter, im Trigon zu Sonne und Vibilia und im Sextil zum Mond und Hybris. Es ist immer wieder faszinierend wie die Details zusammenpassen, wie in einem Hologramm: Der eigene Weg, aber auch Pwylls Selbstüberschätzung erfahren durch Jupiter ungeanten Vorschub, möglicherweise jupiterhaft aufgeblasen, inflationiert.

Auch passend, dass die Tages-Tarotkarte für den Vollmond die „Ausgleichung“ ist. Auf ihr ist Justitia abgebildet, die die Standpunkte vor Gericht gegeneinander abwägt. Oder aber die ägyptische Göttin Maat, die die Seelen der Verstorbenen wiegt. Nur wessen Herz leichter als die berühmte Feder der Maat ist, darf in die ewige Glückseligkeit. Das Herz wird aber schwer, wenn man innerlich grollt, manipuliert, Macht missbraucht oder eben überheblich und anmaßend wird. Leicht wird es, wenn man seinen Standpunkt offen, klar und direkt vertritt und darüber eine faire Einigung – keinen faulen Kompromiss – mit dem anderen findet. Das muss dann eben nicht demütigend sein, oder zu Ohnmachtsgefühlen führen, denn man hat sich auf Augenhöhe eingebracht, in die eine von zwei Waagschalen, und nicht grollend untergeordnet.

Was passiert, wenn man zu keinem Kompromiss bereit ist und auf seinem Standpunkt, seiner vielleicht veralteten Sichtweise beharrt, zeigt die zweite Tageskarte, der Turm. Hier brechen Weltbilder zusammen. Oder werden scheinbar mit Gewalt zerbrochen. „Scheinbar“ deshalb, weil dieses Weltbild in jedem Fall überaltert ist, nur noch hält, weil man es mit eisernem Willen und mit Zähnen und Klauen verteidigt.  Wenn man nicht in der Lage ist, selbst loszulassen, erledigt das Schicksal, Karma, der liebe Gott, oder wen man auch immer benennen möchte, die Aufgabe für uns. Dann gegen unseren Willen. Und das kann dann zu regelrechten inneren Erdrutschen führen. Oder auch Gefühls-Tsunamis. Die gute Botschaft (die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel): die Fundamente des Turms, also die Fundamente unseres Seins, sind davon gänzlich unbetroffen. Der Turm wird zwar weggesprengt (Uranus!), aber auf dem Fundament kann man etwas Neues bauen, so wie Arawn das Reich Pwylls umgebaut und zu Reichtum und Wohlstand geführt hat.

Das sabische Symbol des Vollmondes ist „Drei Wissenshügel auf dem Kopf eines Philosophen“. Etwas Recherche führt dabei direkten Weges zur Erkenntnistheorie. „Die Erkenntnistheorie (auch Epistemologie oder Gnoseologie) ist ein Hauptgebiet der Philosophie, das die Fragen nach den Voraussetzungen für Erkenntnis, dem Zustandekommen von Wissen und anderer Formen von Überzeugungen umfasst. Dabei wird auch untersucht, was Gewissheit und Rechtfertigung ausmacht und welche Art von Zweifel an welcher Art von Überzeugungen objektiv bestehen kann“. Klar soweit? 🙂 In einfacheren Worten, und bezogen auf das sabische Symbol: man kann sich mit seinen Überzeugungen ordentliche Beulen („Wissenshügel“) zuziehen, indem man damit gleich an die Wand rennt, oder indem man auf die Überzeugungen eines anderen prallt. Die philosophische Frage ist, wie objektiv kann Erkenntnis und Überzeugung jemals sein? Ist persönliche Erkenntnis nicht immer subjektiv und voreingenommen durch unsere Sozialisierung, Bedürfnisse und unseren Fokus? Hochmut ist genaugenommen niemals angebracht, weil jeder von uns immer nur einen Teil des Universums, und den auch noch aus seiner eigenen Perspektive überschaut. Niemand wird die „Weisheit mit Löffeln gefressen“ haben, also das universelle Wissen für sich allein in Anspruch nehmen können. Wir müssen unsere Teilaspekte mit anderen zusammentragen, um damit, wie bei einem Puzzlespiel, uns dem Gesamtbild langsam anzunähern. Wie im Großen, Philosophischen, so im Kleinen, im Streit mit unseren Mitmenschen…

Ich finde, in die hier beschriebene Zeitqualität passen die aktuellen, mundanen Ereignisse hervorragend hinein: der Streit der Demokraten für „Russiagate“, bei dem sämtliche rechtlichen (und unredlichen) Mittel aufgeboten und die Mainstream Medien eingeschworen werden; die Gelbwestenproteste in Frankreich und die aberwitzige Gewalt durch Spezialeinheiten der Regierung Macron dagegen, mit Toten und ungezählten Verletzten; die stark ideologisch aufgeladene „Fridays for Future“ Bewegung, die seit 2015 schon vom Club of Rome und der Global Marshall Plan Foundation geplant und mit materiellen und finanziellen Mitteln gut unterfüttert ist, und den „Green New Deal“ der US-amerikanischen Democrates und der deutschen Grünen beflügeln soll. Leider hängt der sich an der wissenschaftlich höchst umstrittenen Idee auf, dass allein das menschengemachte CO2 Schuld an allem sei, während die z.B. massive Umweltverschmutzung durch Militär und NATO-Angriffskriege bis hin zu atomarer Verseuchung durch abgereichertes Uran völlig ausgeblendet wird. Dann noch die AfD-Anhänger, die in der Migration die Schuld für alle Probleme unseres durch Agenda 2010 und den Neoliberalismus demontierten Wohlstandes und Sozialstaates sehen.  Jeder glaubt, sein Standpunkt ist der richtige und alleinseligmachende und mobilisiert alle nur denkbaren Kräfte für seine Sache, inklusive unschuldiger Kinder, die durch unbelegbare Horrorszenarien völlig verängstigt werden. Eigentlich geht es schon lange nicht mehr um die Sache, sondern um Macht und Lagerbildung. Da ist es schwer, sich ohne Gesichtsverlust wieder aufeinander einzulassen und Argumente statt Propaganda und Parolen auszutauschen.

Je nachdem, wo man sich nun selbst, persönlich, auf der ganzen, hier aufgefächerten Skala befindet, und in welchem Haus im eigenen Horoskop der Vollmond stattfindet, so wird man sich stellen müssen. Irgendwo muss man von einem hohen Ross heruntersteigen und dem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen. Es scheint paradox: manchmal muss man dazu einfach nur absteigen, manchmal aber muss man seinen ganzen Mut zusammennehmen (Widder), aufstehen, und der Angelegenheit ins Auge sehen, statt im stillen Kämmerlein zu grollen und sich (nur) insgeheim überlegen fühlen. Es muss nicht unbedingt eine äußere Konfrontation werden. Es kann sich hier auch um eine innere Konfrontation mit eigenen, veralteten Ansichten, Vorstellungen, Wünschen, Hoffnungen sein, oder eine Konfrontation mit den überwältigenden Gefühlen, (Mond!), die sich wie ein Tsunami über uns hinwegwälzen können, wenn uns unser altes Lieblingsspielzeug weggenommen wird.

Das kann übrigens auch passieren, wenn man einem alten Kindheitstrauma (zu) nah kommt und die daraus resultierenden psychischen Schutzmechanismen in Frage gestellt werden. Dann scheint eine Welt zusammenzubrechen, man möchte wie ein trotziges Kind und Rumpelstilzchen herumtrampeln, oder Rotz und Wasser heulen. Man mag sich unendlich schämen, gedemütigt fühlen, oder übervorteilt. Oder sogar große Angst bekommen. Es erfordert Mut, diese Gefühle zu konfrontieren (Waage), und darüber hinaus zu wachsen. Wenn man dann noch in der Lage ist, nicht im Affekt wild um sich zu schlagen, sondern diese Gefühle auszuhalten und durch sie hindurchzugehen, dann kann man am Ende feststellen, dass alles zum eigenen Besten geschehen ist und man nun ganz neue Perspektiven hat! Und Zugang zu den eigenen unzerstörbaren Fundamenten, nicht zu vergessen. Das schafft eine ganz neue Sicherheit, ohne sich an etwas (eine fixe Idee) festklammern zu müssen!

Fragen ist übrigens eine tolle Methode, um sich dem Gegenüber anzunähern, einfach fragen und immer weiterfragen. Damit stellt man sich quasi in seine Schuhe und erfährt viel mehr als würde man ihm die eigene Sichtweise auf den Kopf knallen – und dadurch, dass das Gegenüber seine Sichtweise verbalisieren muss, merkt es oft selbst erst, wo die Schwachstellen in der Ideologie sind. Dann kann der oder die ohne Gesichtsverlust zur Not auch noch freiwillig raus aus der Nummer. Im Bundestag ist das sogar institutionalisiert in Form von Anhörungen und Fragestunden…

Also nur Mut! Vorsichtig absteigen, Grundlagenwissen aneignen und sich austauschen, ohne sich erkenntnistheoretische Beulen zu holen! 🙂

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